Ursprünge, Geschichte und heutige Bedeutung

von Sybille Neumann


Gut evangelisch ist es ratsam, zuerst in der Bibel nach den Ursprüngen der Konfirmation zu schauen. Im Matthäus-Evangelium heißt es in Kapitel 28, Verse 18-20: "…und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum geht hin und machet zu Jüngern alle Völker. Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende."

Taufen und Lehren ist von den Anfängen des Christentums her miteinander verbunden gewesen. Da bis in das 4. Jahrhundert die Erwachsenentaufe üblich war, wurden die Taufanwärter vor der Taufe unterrichtet. Der Taufunterricht wurde als Katechumenat bezeichnet.

Taufe und Taufunterricht


k_IMG_7922_PC.JPGIn der katholischen Kirche hat sich im Laufe der Alten Kirche und des frühen Mittelalters neben Taufe und Abendmahl die Firmung als ein weiteres Sakrament entwickelt. Für die Reformatoren und insbesondere Martin Luther war jedoch wichtig, dass die Taufe voll gültig und durch nichts ergänzungsbedürftig sei. "Ich bin getauft" als existentielle Gewissheit gegenüber allen bedrohlichen Mächten. Aus diesem Grund lehnten sie die Firmung als Sakrament ab.

Allerdings war es den Reformatoren ein Anliegen, dass die Getauften Hilfen und Bildung für ihr Leben als Christen bekommen. Luther schreibt zu dem "geistlichen" Elend seiner Zeit:

"Hilf lieber Gott, wie manchen Jammer habe ich gesehen, dass der gemeine Mann doch so gar nichts weiß von der christlichen Lehre,…, und leider viele Pfarrherren ganz ungeschickt, untüchtig sind zu lehren, und sollen doch alle Christen heißen, getauft sein und der heiligen Sakramente genießen, können weder Vaterunser, noch den Glauben oder zehn Gebot", leben dahin wie das liebe Vieh…" (Martin Luther, Der kleine Katechismus 1529).

Aus diesem Grund, als Verstehenshilfe zum Glauben, für Kinder und Erwachsene, verfasste Luther die Katechismen.

Martin Bucer - Vater der Konfirmation

Die Konfirmation als eine liturgische Handlung im Gottesdienst wurde von dem Reformator Martin Bucer entwickelt. Getrieben wurde er dazu durch seine Auseinandersetzung mit den sogenannten "Wiedertäufern". Diese Gruppe lehnte die Kindertaufe ab, da die Taufe für sie auch die Einsicht und Zustimmung des Täuflings voraussetzt, was bei einem Säugling noch nicht gegeben ist. Bucer führte nun mit seiner "Ziegenhainer Zuchtordnung" von 1538/39 das ein, was die Basis für das heutige Verständnis von Konfirmation bildet. Auch wenn einiges davon heute etwas anders gehandhabt wird.

Die getauften Kinder sollten nach dieser Ordnung im christlichen Glauben unterwiesen werden. Nachdem die Kinder dann in einer öffentlichen Prüfung durch den Pfarrer bewiesen hatten, dass sie den christlichen Glauben verstanden haben, wurden sie "konfirmiert".

"Dem allem nach soll dann der pfarrherr denselbigen Kindern die hende auflegen und sie also im nemen des Herrn confirmieren und zur christlichen gemeinschaft bestetigen, auch darauf zum tisch des Herren gehen heißen" (Martin Bucer, Ziegenhainer Zuchtordnung 1538/39)

Konfirmiert heißt bei Bucer somit, die Bestätigung (confirmare = bestätigen, befestigen), dass die Kinder zur christlichen Gemeinschaft dazugehören. Die Einsegnung der getauften Kinder geschah unter Hand¬auf¬legung und der Formel: "Nehmet hin den Heiligen Geist, Schutz und Schirm vor allem Argen, Stärke und Hilfe zu allem Guten, aus der gnädigen Hand Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen."

Durch Aufklärung und Pietismus bekam die Konfirmation im evangelischen Raum mehr noch den Akzent eines eigenen Bekenntnisses, der eigenen Bestätigung, der Taufe. Kurz nach 1800 hatte sich die Konfirmation in Deutschland durchgesetzt. Sie war damals mit der Übernahme gewisser Rechte verbunden: Zugang zum Abendmahl und die Ausübung des Patenamtes.

Verständnis von Konfirmation heute

Das Verständnis von Konfirmation hat sich in der evangelischen Kirche heute weiterentwickelt. Primäre Aufgabe des Konfirmandenunterrichtes ist es, die christliche Lehre verständlich zu machen und den zu Konfirmierenden so nahe zu bringen, dass sie sie als für sie persönlich relevant erkennen. Da diese Sichtweise sich nicht gut mit einem Konfirmationsexamen verträgt, wurde die Prüfung 1977 in unserer Landeskirche, der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), als Bestandteil der Konfirmation abgeschafft. Der Hauptakzent liegt heute auf dem Unterricht, so dass die Konfirmation als gottesdienstlicher Abschluss eines gemeinsamen Lernprozesses verstanden werden kann, der einen eigenen Wert in sich trägt.


k_IMG_7862_PC.JPGHeute wird auch stärker die lebensgeschichtliche Bedeutung der Konfirmation betont. Sie fällt zeitlich in die Pubertät und begleitet damit eine Phase des Übergangs vom Kind zum Jugendlichen, jungen Erwachsenen. In dieser Situation ist die Konfirmation eine Segenshandlung, eine Ermutigung und Begleitung für die Konfirmierten.

Die Konfirmation setzt die Taufe voraus. Kinder, die nicht getauft worden sind, können dennoch am Konfirmationsunterricht teilnehmen. Wenn sie konfirmiert werden wollen, müssen sie sich aber vorher taufen lassen.

Übrigens entfällt die Konfirmation, wenn sich Jugendliche oder Erwachsene nach dem Kon¬fir¬mationsalter taufen lassen. Ist ein Erwachsener getauft, aber nicht konfirmiert, können ihm auf Beschluss des Kirchenvorstandes die mit der Konfirmation verbundenen Rechte nachträglich anerkannt werden.

Konfirmation und Abendmahl

Die Konfirmation ist heute zwar immer noch Voraussetzung, um das Patenamt in der EKHN auszuüben, sie ist aber nicht mehr Bedingung, um am Abendmahl teilzunehmen. In ihrer Lebensordnung hat dies die EKHN vor etwa 10 Jahren verändert. Danach sollen in den Gemeinden auch Kinder zum Abendmahl eingeladen werden. Theologisch begründet sich diese Änderung darin, dass ein vollständiges Verstehen der Handlung nicht Voraussetzung der Teilnahme am Abendmahl sein kann. Christus selbst lädt zu seinem Tisch ein und wir haben nicht das Recht, einen Menschen wegen fehlender Bildung, mangelnder körperlicher oder seelischer Gesundheit oder eben Entwicklungsreife vom Abendmahl auszuschließen. Sonst nehmen wir auch die Taufe nicht ernst. Wenn Kinder am Abendmahl teilnehmen, besteht aber dennoch für die Gemeinde und Eltern die Aufgabe, den Sinn der Handlung den Kindern zu vermitteln.
 

 

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