Warum feiern wir Abendmahl?

Die Einsetzungsworte erinnern daran, dass Christus selbst uns zur Feier des Abendmahls aufruft "... solches tut zu meinem Gedächtnis". Nach der Erkenntnis der Reformatoren ist Kirche da, wo das Evangelium rein gepredigt und die Sakramente recht verwaltet werden. Das Abendmahl ist konstitutiv für unser Leben als Kirche, Christus ist in seinem Wort und seinem Mahl in der Gemeinde gegenwärtig. Warum feiern wir einmal im Monat Abendmahl?

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Während im Mittelalter die Kommunion selten, in der Regel einmal pro Jahr, gefeiert wurde, haben die Reformatoren jeden Sonntag Abendmahl gefeiert. In der nachreformatorischen Zeit wurde aber auch in evangelischen Gemeinden das Abendmahl seltener im Jahr gefeiert.

Eine theologische Orientierung kann die Frage bieten, ob das letzte Mahl Jesu ein Passamahl oder ein normales jüdisches Abendmahl war. Insbesondere Lukas, aber auch die anderen Evangelien, legen ein Passamahl nahe. Der historisch älteste Text, 1. Kor 11, 23b-25, gibt keinen Hinweis auf ein Passamahl. Historisch ist die Frage nicht zu entscheiden, sachlich gibt es auf jeden Fall eine Kontinuität zum jüdischen Passamahl.

Passamahl und nomale jüdische Abendmahlzeit können die Eckwerte für die Häufigkeit der Feier des Abendmahls bilden. Das Abendmahl sollte mindestens ein Mal im Jahr und höchstens ein Mal am Tag gefeiert werden.

 

Warum essen wir Brot und trinken Wein?

Brot und Wein sind von Christus eingesetzte so genannte Schöpfungsgaben. Diese Gaben kommen nicht einfach aus der "Natur". Sie entstehen aus:
- einer gelungenen zwischenmenschlichen Gemeinschaft,
- der gelingenden Gemeinschaft zwischen Menschen und Natur
- und dem schöpferischen Wirken des Geistes Gottes.

(Daher kann Wein nicht einfach durch das Essen von Trauben ersetzt werden!). In unserem Kulturkreis ist Brot Symbol für das tägliche Nahrungsmittel, Wein für das festliche Getränk. Darüber hinaus ist Brot zerreißbar, brechbar, teilbar und der Wein erlaubt die Assoziation zu Blut.

Das Brot kann auch durch eine Oblate, ungesäuertes Brot, ersetzt werden, es betont dann die Herkunft des Abendmahls aus dem Passamahl. In Ausnahmefällen kann auch nur ein Element zu sich genommen werden, auch eine Gestalt des Abendmahls vermittelt die ganze Wirkung.

 

Der Wein aus einem Kelch?

Der Gemeinschaftskelch verdeutlicht und betont die Gemeinschaft in Christus. Wein ist die von Christus eingesetzte Schöpfungsgabe und in unserer Kultur Symbol für das festliche Getränk. Aus gesundheitlichen und anderen Gründen, empfiehlt die Lebensordnung unserer Landeskirche, der Evangelischen Landeskirche von Hessen und Nassau (EKHN), zusätzlich auch die Austeilung von Traubensaft zu ermöglichen.


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Wer lädt zum Abendmahl ein?

Christus selbst lädt zum Abendmahl ein, Christus ist der Geber und die Gabe (Personalpräsenz).

 

Was feiern wir beim Abendmahl?

- Dank an Gott den Schöpfer und dankbare Erinnerung an die Hingabe Jesu Christi.
- Die bedingungslose Annahme der Menschen durch Gott, die in einer bedrohten Welt unter die Macht der Sünde geraten sind (Sündenvergebung)…
- Die versöhnte und gerechte Gemeinschaft untereinander…
- Die Hoffnung und Erwartung des "himmlischen Mahles", das noch aussteht…

 

Wer leitet das Abendmahl?

Jeder getaufte Christ, jede getaufte Christin kann das Abendmahl leiten. Nach evangelischem Verständnis gibt es das "allgemeine Priestertum aller Gläubigen". Da aber in unserer Kirche PfarrerInnen und PrädikantInnen mit der öffentlichen Wortver¬kün¬di¬gung und der Verwaltung der Sakramente beauftragt sind, sind sie in der Regel für die Leitung des Abendmahls verantwortlich. Es ist wünschenswert, dass sich Kirchenvorstand und Gemeindemitglieder an der Austeilung des Abendmahls beteiligen. Unser Kirchenvorstand hat am 15.1.2004 beschlossen, dass ein Mitglied des Kirchenvorstandes oder ein anderes Gemeindemitglied dem/der PfarrerIn oder dem/der PrädikantIn Brot und Wein reicht, wenn dieser oder diese das möchten.

 

Wie gestalten wir die Liturgie beim Abendmahl?

Das Abendmahl findet nach der Predigt statt, um zu verdeutlichen, dass Wort und Mahl zusammengehören. Unverzichtbar bei der Liturgie des Abendmahls sind die Einsetzungsworte, das Vaterunser, die Austeilung von Brot und Wein an die Gemeinde und eine Danksagung an Gott.

 

In der Johanneskirche ist zurzeit folgende Liturgie vorgesehen:

- Predigt
- Lied
- Einleitung
- Einsetzungsworte
- Lied: Christe, du Lamm Gottes
- Vaterunser
- Einladung zum Abendmahl
- Austeilung
- Bibelwort im Kreis mit Sendungswort
- Dankgebet
- Fürbitte

In der Lukasgemeinde wurde mit Schuldbekenntnis, Beichtfrage, Absolution, Lied "Schaffe in mir Gott …" sehr stark der Aspekt der Sündenvergebung betont. Dieser Aspekt ist aber im Vollzug des Abendmahls in vielen Stellen präsent (Einsetzungsworte mit der Rede von der "Nacht des Verrats", Einleitung zum Abendmahl, Hymnus "Christe, du Lamm Gottes"). Allgemeine Beichte und explizite Absolution gehören aber auch nach den neueren liturgischen Ordnungen nicht zu den unverzichtbaren Elementen des Abendmahlgottesdienstes.

 

Wer ist eingeladen?

Alle, die am Gottesdienst in der Gemeinde teilnehmen, egal welcher Konfession, sind durch Jesus Christus zum Abendmahl eingeladen. Alle sind eingeladen, aber niemand muss daran teilnehmen.

Kein Mensch darf wegen mangelnder Bildung, fehlender körperlicher oder geistiger Gesundheit, Entwicklungsreife oder zweifelhafter Moralität vom Abendmahl ausgeschlossen werden.

Wir unterschätzen sonst die Möglichkeit des Gebers und der Gabe sich dem Teilnehmenden selbst zu erschließen. Alle sind eingeladen, auch Kinder, aller¬dings ist es auch die Aufgabe der Gemeinde und der Eltern und Paten, Kinder bei der mündigen Teilnahme am Abendmahl zu unterstützen und zu begleiten.

Nach der Lebensordnung der EKHN ist, auch wer nicht getauft ist und das Abendmahl empfangen will, willkommen. Auf geeignete Weise soll aber auf den Zusammenhang zwischen Glaube und Taufe für das Christsein hingewiesen werden.

 

Wann ist es unwürdig, das Abendmahl zu feiern?

Jesus hat das Abendmahl gefeiert in der Nacht, in der er verraten wurde. Mit Judas, der ihn verriet, mit Petrus, der ihn verleugnete, mit den Jüngern, die in seiner schlimmsten Stunde geschlafen haben. Wer könnte da heute unwürdig sein, das Abendmahl zu empfangen?

Wenn es in 1. Kor. 11,17.20-22 heißt, dass die Abendmahlsfeier "unwürdig" und "zum Gericht" vollzogen wird, bezieht sich das auf eine gesamte Gemeindesituation. In dem wohl mit einem Sättigungsmahl verbundenen Abendmahl in Korinth haben sich die reicheren und stärkeren Gemeindemitglieder gegenüber den ärmeren und schwächeren rücksichtslos verhalten. Ein solches Mahl ist ein pervertiertes Abendmahl.

 

Abendmahl in der Johannesgemeinde, 
Theologische Erklärungen für die (derzeitige) Abendmahlspraxis
von Sybille Neumann

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